Raspberry Pi OS 11 Bullseye - was ist neu?

Das aktuelle Raspbian-Pi-OS Bullseye bringt die Software für den Raspberry Pi auf den neuesten Stand. Die Oberfläche des neuen Systems unterscheidet sich kaum vom Vorgänger.

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PiOS Bullseye

Das aktuelle Raspbian-Pi-OS Bullseye bringt die Software für den Raspberry Pi auf den neuesten Stand. Im Softwareunterbau gibt es viele Änderungen, weshalb sich ein Upgrade nicht für jeden Nutzer eignet.

Debian ist als Distribution für gemächliche Releasezyklen bekannt. In der Regel erscheint alle zwei Jahre eine neue Version. Debian 10 „Buster“, auf dem das bisherige Raspberry-Pi-OS basiert, wurde im Juli 2019 veröffentlicht. Nachfolger ist Debian 11 „Bullseye“ vom August 2021, und seit Oktober 2021 verwendet auch Raspberry-Pi-OS diese Version. Die Oberfläche von Raspberry-Pi-OS auf der Basis von Debian 11 zeigt auf den ersten Blick nur wenige Änderungen. Dafür haben aber grundlegende Komponenten eine Erneuerung erfahren, um das System fit für die Zukunft zu machen. Damit sind jedoch Nebenwirkungen verbunden, weshalb ein Wechsel zum aktualisierten System nicht für jeden zu empfehlen ist. In diesem Artikel lesen Sie, welche Neuerungen Raspberry-Pi-OS bietet und mit welchen Einschränkungen man rechnen muss.

Die Neuerungen in Bullseye

Raspberry-Pi-OS auf der Basis von Debian 11 bringt den Linux-Kernel der Version 5.10 mit. Libre Office wird mit der Versionsnummer 7.0.4 ausgeliefert und der Webbrowser Chromium mit Version 95.0. Auch viele andere Pakete wurden aktualisiert wie beispielsweise Samba, Apache, PHP und Perl. Bei Python ist die Version 3 der Standard. Python 2 lässt sich aber bei Bedarf weiterhin mit einrichten.

Das ist für ältere Python-Projekte erforderlich, die nicht mit Python 3 kompatibel sind. Allerdings sollte man die Projekte zeitnah für Python 3 anpassen, da Python 2 seit Januar 2020 nicht mehr gepflegt wird.

Als kleine Neuerung zeigt Raspberry-Pi-OS jetzt Benachrichtigungen an, etwa wenn ein USB-Laufwerk verbunden wird oder wenn Updates verfügbar sind. Über das Updater-Icon im Panel lassen sich die Aktualisierungen installieren.

Fenstermanager und Desktop in Bullseye

Für die Darstellung grafischer Elemente waren bisher die GTK-2-Bibliotheken zuständig. Die gelten als veraltet und viele neue Programme setzen auf GTK 3. Die beiden Versionen sind nicht zueinander kompatibel, lassen sich aber parallel installieren. Bullseye verwendet bevorzugt GTK 3, was aber optisch kaum auffällt. Im direkten Vergleich kann man jedoch Unterschiede etwa bei der Darstellung von Tabs und einigen anderen Bedienelementen bemerken. Der Umstieg auf GTK 3 macht einen neuen Fenstermanager erforderlich. Statt Openbox wird jetzt Mutter gestartet. Mutter erzeugt die Fenster zuerst im RAM und übergibt das Bild dann an die Videohardware. Das ermöglicht eine bessere Leistung bei visuellen Effekten. Da der RAM-Bedarf steigt, wird Mutter nur auf Hardware mit mindestens 2GB RAM installiert. Ist weniger vorhanden, kommt weiterhin Openbox zum Einsatz. Mutter und GTK 3 sind außerdem Voraussetzung für den Wechsel des X-Window-Systems. Die meisten Linux-Distributionen verwenden inzwischen Wayland statt X11, was eine bessere Leistung verspricht. Raspberry-Pi-OS ist noch nicht so weit, ab sofort aber immerhin für den Umstieg vorbereitet.

Kameratreiber in PiOS Bullseye

Der Zugriff auf die Kamera erfolgt jetzt über die Standard-Linux-API. Zuvor war dafür proprietäre Software erforderlich. Für Entwickler ist es nunmehr einfacher, Anwendungen für die Kamera-Schnittstelle zu erstellen. Die bisherigen Tools und Scripts funktionieren jetzt aber nicht mehr. Für Endbenutzer ist der Umstieg meist einfach. Um ein einzelnes Bild von der Kamera zu speichern, verwendet man statt bisher:

raspistill -o bild.jpg

ab sofort diesen Befehl

libcamera-still -o bild.jpg

Wer andere Software für den Zugriff auf die Kamera verwendet und diese nicht selbst anpassen kann, muss vorerst beim alten System bleiben, bis der Anbieter eine aktualisierte Version bereitstellt. Buster wird noch bis mindestens Juni 2024 mit Updates versorgt. Für die Neuinstallation des Systems finden Sie Imagedateien unter der Bezeichnung Raspberry Pi OS (Legacy) im Downloadbereich von Download Raspberry Pi .

Upgrade auf Bullseye durchführen

Die Entwickler von Raspberry-Pi-OS raten vom Upgrade des bisherigen Systems ab. Wegen der zahlreichen Neuerungen ist das nicht sicher und fehlerfrei möglich. Wer es trotzdem probieren möchte, sollte zuvor ein Backup des Systems erstellen, wie im Kasten beschrieben.

Ändern Sie zuerst in der Datei /etc/apt/ sources.list sowie allen .list-Dateien in /etc/apt/sources.list.d jedes Vorkommen von buster zu bullseye. Danach führen Sie diese drei Befehle aus:

sudo apt update 
sudo apt install libgcc-8-dev gcc-8-base 
sudo apt full-upgrade

Auf alle Fragen während der Installation antworten Sie mit yes. Danach bearbeiten Sie die Datei /boot/config.txt. Kommentieren Sie alle Zeilen mit # aus, die mit dtoverlay=vc4-fkms-v3d beginnen. Fügen Sie an den allgemeinen Abschnitt nach dtparam=audio=on diese fünf Zeilen an:

camera_auto_detect=1 
display_auto_detect=1 
dtoverlay=vc4-kms-v3d 
max_framebuffers=2
disable_overscan=1 

Danach erstellen beziehungsweise ändern Sie die darauf folgenden Bereiche:

[cm4] otg_mode=1 
[pi4] arm_boost=1 
[all]

Eventuell bisher darin enthaltene Zeilen kommentieren Sie aus.

Neuinstallation des aktuellen Systems

Für eine Neuinstallation von Raspberry-Pi- OS Bullseye laden Sie den Raspberry Pi Imager von https://www.raspberrypi.com/software herunter und installieren das Tool. Nach dem Start klicken Sie auf OS wählen und geben als gewünschtes Betriebssystem Raspberry Pi OS (32-Bit) an. Mit Strg- Umschalt-X gelangen Sie zu einem Dialog, über den sich das System vorkonfigurieren lässt. Hier können Sie unter anderem den Namen des Rechners und die WLAN-Verbindungsdaten eintragen. Klicken Sie auf SD-Karte wählen und dann auf die Bezeichnung des Laufwerks mit der SD-Karte. Der Datenträger muss neu formatiert werden, folglich gehen alle darauf befindlichen Daten verloren. Zum Abschluss klicken Sie auf „Schreiben“.

Backup der SD-Karte

Es ist am einfachsten, die komplette SD-Karte oder den USB-Stick unter Linux zu sichern. Legen Sie die Karte in ein Lesegerät am PC oder verbinden Sie den USB-Stick. Im Terminal ermitteln Sie mit

lsblk -p

zuerst den Gerätepfad des Laufwerks und hängen alle Partition mit

sudo umount /dev/sd[X]?

aus. Der Platzhalter [X] steht für die Gerätebezeichnung, beispielsweise /dev/sdb. Für ein komprimiertes Backup verwenden Sie unter Ubuntu 20.04 oder Linux Mint 20 diesen Befehl:

sudo dd if=/dev/sd[X] bs=4M status=progress | gzip -c > ~/Backup.img.gz

Da SD-Karten und Kartenleser nicht besonders schnell sind, kann das einige Zeit dauern. Für die Wiederherstellung verwenden Sie diesen Befehl:

gunzip -c ~/Backup.img.gz | sudo dd of=/dev/sd[X] bs=4M status=progress && sync

Prüfen Sie die Gerätekennung genau, damit Sie das Backup nicht versehentlich auf den falschen Datenträger zurückschreiben.

Autor

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Mein Name ist Oliver Lohse. Ich bin diplomierter Wirtschafts-Informatiker und Organisations-Programmierer in verschiedenen Programmier-Sprachen und Markup-Dialekten, z.B. Java, JEE, COBOL, PHP, Python, MySQL, HTML, CSS, ANSI C, Lisp, Rexx, JavaScript, Scheme, ActionScript 2.0, Maschinensprache, Assembler und JCL. Seit mehr als 24 Jahren arbeite ich als Entwickler in einem großen Softwareunternehmen für Versicherungen in Hannover Niedersachsen und seit etwa 37 Jahren im EDV-Sektor mit wechselnden Aufgaben.

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